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Sollten Ärzte aufgrund des Coronavirus Bedenken gegenüber Fledermäusen haben?

gepostet 18-02-2020 von Stephen A. Berger in Gesundheitswesen


Fledermäuse stehen im Verdacht, das tödliche Coronavirus (2019-nCoV) zu übertragen. In diesem Gastbeitrag von Stephen A. Berger von GIDEON werden die von Fledermäusen übertragbaren Krankheiten näher betrachtet.

Die ganze Welt verfolgt aufmerksam die rasante Verbreitung des Coronavirus. In der Zwischenzeit arbeiten Gesundheitsbehörden daran, herauszufinden, welches Tier der ursprüngliche Wirt des Erregers 2019-nCoV war. Wie auch in früheren Fällen zählen Fledermäuse erneut zu den im Verdacht stehenden Tieren.

Am 16. November 2002 waren Hufeisennasen (eine Fledermausart) Auslöser für die SARS-Epidemie – eine Epidemie eines tödlichen Coronavirus, der weltweit 916 Menschenleben forderte. Die Epidemie brach in Foshan City, Guangdong, China aus – einem Ort, der etwa 1.000 Kilometer von Wuhan entfernt liegt, dem Mittelpunkt des jüngsten Coronavirus-Ausbruchs. Diese Nähe ist kein Zufall. Auch die Erreger Tylonycteris HKU4 und Pipistrellus HKU5, die mit der MERS-CoV-Pandemie in Verbindung gebracht werden, wurden im Jahr 2006 zunächst bei Fledermäusen in China gefunden.

Aufgrund der natürlichen Verbreitung von Fledermäusen auf dem chinesischen Festland und der erstaunlichen Vielfalt von Coronaviren in Fledermäusen ist es nicht überraschend, dass diese Art der Infektion von diesen Tieren ausgehen kann. Die neuesten Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das nächste Coronavirus höchstwahrscheinlich auf ähnliche Weise auf den Menschen übertragen wird. Daher sollte der Untersuchung von Coronaviren bei Fledermäusen mehr Zeit gewidmet werden.

Das Global Infectious Diseases and Epidemiology Network (GIDEON) beschreibt achtzehn Infektionskrankheiten, die nachgewiesenermaßen durch Fledermäuse übertragen werden. Zwei darunter – SARS und MERS – sind Formen von Lungenentzündungen, die durch Coronaviren verursacht werden – ähnlich wie der Erreger, der derzeit in China auftritt. Nur wenige wissen, dass Fledermäuse auch in Europa, den Vereinigten Staaten, Südamerika und sogar in Australien eine Hauptquelle für Tollwut und damit zusammenhängende Infektionen sind. Auch bei der Übertragung des Ebola- und Marburg-Virus in Afrika spielen sie eine Rolle.

Einige dieser Krankheiten werden durch Fledermausbisse verursacht. Andere wiederum sind auf die Aufnahme von Fruchtsäften zurückzuführen, die mit den Sekreten dieser Tiere verunreinigt wurden. In vielen Fällen können sich Menschen sogar durch das Einatmen kontaminierter Luft in einem geschlossenen Raum infizieren. Ein Beispiel für eine solche Krankheit ist die Histoplasmose, die häufig bei der Erforschung von Fledermaushöhlen in Lateinamerika übertragen wird.

Dieser Artikel wurde mit Hilfe der Informationen aus GIDEON (Global Infectious Disease and Epidemiology Network) verfasst. GIDEON ist die führende internationale Datenbank für globale Infektionskrankheiten und bietet eine aktuelle, evidenzbasierte Ressource für die Diagnose, Behandlung sowie die Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Tropen- und Infektionskrankheiten, Epidemiologie und Mikrobiologie.

Über den Verfasser:

Stephen A. Berger (M.D.), Mitbegründer von GIDEON Informatics

Dr. Stephen A. Berger ist dem Tel Aviv Medical Center angegliedert, wo er sowohl als Direktor für geografische Medizin als auch als Direktor für klinische Mikrobiologie tätig war. Er wurde außerdem an der University of Tel-Aviv School of Medicine zum Emeritus Associate Professor of Medicine ernannt. Dr. Berger ist Mitbegründer von GIDEON Informatics, der Organisation, die die Webapplikation GIDEON (Global Infectious Diseases and Epidemiology Network) und die E-Book-Reihe GIDEON entwickelt hat.

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