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Überbrückung der fehlenden Evidenz während der COVID-19-Pandemie

gepostet 30-06-2020 in Gesundheitswesen


Ein neues Projekt von EBSCO unterstützt Ärzte dabei, die Evidenzlücke zwischen der Berichterstattung über Studiendaten und der Veröffentlichung von Artikeln, die von Fachleuten geprüft wurden, während der COVID-19-Pandemie zu schließen.

Die Geschwindigkeit, mit der neue Forschung rund um COVID-19 veröffentlicht wird, ist außergewöhnlich. Die Krankheit wurde erstmals im Dezember 2019 als Lungenentzündung unbekannten Ursprungs beschrieben. Die Ursache von COVID-19 – die Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 – wurde Anfang Januar schnell identifiziert. Seitdem wurden laut LitCOVID, einer Ressource der National Institutes of Health (NIH) und der National Library of Medicine (NLM), etwa 20.000 Artikel zu diesem Thema in PubMed veröffentlicht und indiziert. Bei fast 2.000 laufenden klinischen Studien ist zu erwarten, dass auch in naher Zukunft viele weitere Publikationen über COVID-19 und die damit verbundenen Daten verfügbar sein werden.

DynaMed® bietet evidenzbasierte Informationen und Empfehlungen für die klinische Versorgung und Pflege für tausende Krankheiten in 26 medizinischen Fachgebieten. Bei einem Mangel an Studien (z. B. bei äußerst seltenen Erkrankungen) bietet das Tool auf Grundlage des Fachwissens und der Erfahrung von Experten Hinweise zu Best-Practices, die oft von medizinischen Organisationen und Verbänden veröffentlicht werden. Obwohl COVID-19-Erkrankungen zur Zeit häufig auftreten, war die Situation zu Beginn des Jahres ganz ähnlich wie bei seltenen Erkrankungen, denn vor 2020 waren hierzu keinerlei Studien verfügbar. Daher spiegelten die ersten Behandlungshinweise zu COVID-19 die bewährten Praktiken anderer Formen des „Acute Respiratory Distress Syndrome“ (ARDS) wider. Inzwischen ist jedoch deutlich geworden, dass diese Standardbehandlung nicht für alle COVID-19-Patienten geeignet ist, weshalb die Hinweise inzwischen modifiziert wurden.

Die Daten zu potenziellen medikamentösen Therapien für die Behandlung von COVID-19 verändern sich schnell. Da die Auswirkungen dieser Studien so groß sind, berichten die Medien oft als erstes darüber – häufig noch (lange) bevor Spezialisten die Möglichkeit haben, vollständige Informationen über die Testmethodik zu erhalten und diese zu bewerten, um daraus Empfehlungen für die klinische Versorgung abzuleiten. Das Ergebnis ist oft eine übertriebene Interpretation der Wirksamkeit in der breiten Öffentlichkeit. Daraus entsteht oftmals auch eine große Unsicherheit bei medizinischen Fachleuten, die nicht genau wissen, was sie tun sollen.

Zwischen der Datengenerierung und der Veröffentlichung eines von Fachleuten geprüften Artikels hat es schon immer eine zeitliche Verzögerung gegeben – ganz zu schweigen von der Zeit, die erforderlich ist, um einen Konsens über einen Behandlungsstandard zu erzielen, auf dessen Grundlage Empfehlungen abgegeben werden können. Selten war die Schließung dieser „Lücke“ bzw. Kluft jedoch so entscheidend wie heute. Ärzte benötigen für die Behandlung ihrer Patienten, die an COVID-19 erkrankt sind, stets die aktuellsten Informationen. Wenn diese Informationen jedoch aus Pressemitteilungen und Preprint-Artikeln (ohne fachliche Prüfung) stammen, ist es schwierig abzuschätzen, was dies für schwerwiegende Auswirkungen haben kann. Wenn aus Informationen der allgemeinen Medien Schlussfolgerungen für klinische Versorgungsentscheidungen gezogen werden, kann dies letztlich fatale Folgen haben.

Mit dem neuen Projekt von EBSCO COVID-19 Treatments: Clinical Outcomes Results Extracted from Randomized Controlled Trialsversuchen wir, diese „Kluft” oder „Evidenzlücke“ zu überbrücken bzw. zu schließen. Die Idee besteht darin, Daten aus randomisierten Studien zu präsentieren, unabhängig davon, in welcher Form diese Studien veröffentlicht werden (ob es sich dabei nun um eine Pressemitteilung oder einen Preprint-Artikel auf einer Verlags-Website oder einem Server wie medRxiv handelt). Die Daten zu Ergebnissen, Bevölkerungsmerkmalen, Informationen zu Arzneimitteldosierungen und andere Informationen werden aus jeder Studie extrahiert und auf zwei Arten dargestellt. Zunächst wird jede Studie bzw. jeder Versuch in einer Tabelle mit allen verfügbaren Informationen zusammengefasst. Darüber hinaus wird für jede Behandlung eine Zusammenfassung aller Studien erstellt. Im nächsten Schritt werden ggf. Gründe für eine zweifelhafte Qualität der Evidenz für die Studie angegeben, z. B. Unsicherheiten bezüglich der angewandten Methodik (falls über bestimmte Details nicht berichtet wird) oder charakteristische Einschränkungen.

Abschließend wird beschrieben, welche Bedeutung dies für jede Behandlung und klinische Ergebnisse hat. Da immer weitere Studien hinzukommen, wird sich ein zunehmend kohärentes Bild der Wirksamkeit (bzw. der Unwirksamkeit) ergeben. Wir wissen nicht, wie lange es dauern wird, bis ein Konsens für die Versorgung erreicht ist. Diese Website soll Ärzten jedoch den aktuellsten Stand der Evidenz darlegen und kann sie solange unterstützen, bis allgemein gültige Standards für die Versorgung und Behandlung verfügbar sind.

Die COVID-19-Treatments-Ressource wurde von EBSCOs Team im Bereich Innovations and Evidence-Based Medicine Development unter der Leitung von Dr. Brian Alper, Chief Medical Knowledge, entwickelt und verwaltet. Dr. Alper ist führend im Bereich der Anpassung von Technologien für die klinische Entscheidungsfindung. Er und sein Team haben die Notwendigkeit für ein neues Tool gesehen und gemeinsam eine entsprechende Lösung entwickelt. Diese neue Ressource soll dazu beitragen, die Kluft an verfügbarer Evidenz zu COVID-19 zu schließen.

Zu COVID-19-Treatments

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